Deutsche Diplomaten wussten frühzeitig vom sowjetischen Aufmarsch auf Kuba 1962
Die Bundesregierung war frühzeitig über die sowjetische Aufrüstung Kubas 1962 informiert, welche die Kuba-Krise im Oktober vor 40 Jahren auslöste. Das geht aus geheimen Unterlagen hervor, die nun das Auswärtige Amt und das Bundesverteidigungsministerium auf Grund von Recherchen des SPIEGEL freigegeben haben. Kreml-Chef Nikita Chruschtschow wollte die Insel zu einer Atomfestung ausbauen und dort 40 Startrampen für atomar bestückte Mittelstreckenraketen installieren. Bereits im August 1962 fielen westdeutschen Diplomaten auf Kuba die zahlreichen hellhäutigen Männer in Zivil auf, die Hemden mit Karomustern trugen und Autos fuhren, deren Nummernschilder stets mit den Zahlen 190 bis 199 begannen; es handelte sich um Sowjetsoldaten. Die CIA schätzte ihre Zahl auf 10000; die bundesdeutsche Botschaft in Havanna meldete hingegen 16000 Mann und lag damit deutlich näher an der tatsächlichen Zahl von über 40 000. Am 17. August 1962 gab die Botschaft Hinweise auf atomar bestückte Mittelstreckenraketen nach Bonn weiter. Ein Vertrauensmann aus Cienfuegos hatte die Diplomaten darüber informiert, "dass im Hafen Casilda ausgeschifftes, schweres Gerät zum Bau einer sowjetischen (Raketen-?)Base in dem durch die Orte Rodrigo Amaro Santo Domingo begrenzten Dreieck bestimmt sei. Dort sollten in der Tat SS-4-Mittelstreckenraketen stationiert werden. Das Auswärtige Amt leitete die Information an die US-Regierung weiter. Doch die Amerikaner ließen ausrichten, berichtet heute der damalige zweite Mann der Botschaft, Konrad Gracher, sie würden vor Spekulationen warnen. Das, erinnert sich Gracher, "hat uns natürlich ein bisschen schockiert.