Lothar de Maizière kritisiert seine einstige Weggefährtin Angela Merkel - DER SPIEGEL
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Lothar de Maizière kritisiert seine einstige Weggefährtin Angela Merkel

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Als Lothar de Maizière noch der erste frei gewählte Regierungschef der DDR war, diente Angela Merkel ihm als stellvertretende Pressesprecherin. Heute wohnt die mächtigste Frau der deutschen Politik in demselben Berliner Haus, in dem de Maizière seine Anwaltskanzlei hat. Aber das ehemalige Gespann redet nicht mehr miteinander. "Ich habe ihr zweimal angeboten: Wenn du Zeit hast, komm vorbei, eine Tasse Kaffee kriegst du immer. Aber sie ist leider noch nicht einmal hier gewesen“, sagt de Maizière. "Ich habe das Gefühl, dass Angela Berührungsängste hat mit allen Leuten, die sie in ihrer Karriere gefördert haben oder mal wichtig waren.“

De Maizière, der den deutschen Einigungsvertrag mit aushandelte, wirft ihr vor, am Sturz des früheren CDU-Parteichefs Wolfgang Schäuble maßgeblich beteiligt gewesen zu sein: "Sie hat ihn demontiert, auf Deutsch gesagt.“ In den Jahren ihres Aufstiegs an die Spitze der CDU habe die Ostdeutsche zunehmend Gefallen an der Macht gefunden, sagt de Maizière: "Sie ist wie eine Westpolitikerin geworden. Sie hat Spaß daran wie jemand, der eine Marionette bewegt: Wenn ich an dieser Strippe ziehe, dann wackelt’s da. Es ist der Spaß an der Herrschaft über die Mechanik, aber auch an der Herrschaft über Menschen.“