Nazi-Texte gefährden Reichstags-Festakt zum Volkstrauertag: Missklänge im Reichstag
Zeitgeschichte. Die zentrale Veranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge zum Volkstrauertag am kommenden Sonntag droht zu platzen. Die Gedenkstunde im Plenarsaal des Bundestags ist 60 Jahre nach der Schlacht an der Wolga dem Thema "Stalingrad gewidmet. Das Musikkorps der Bundeswehr soll nach einer Gedenkrede von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) die Symphonie "Letzte Briefe aus Stalingrad des französischen Komponisten Aubert Lemeland aufführen; im Rahmen der Symphonie will die Schauspielerin Senta Berger Auszüge aus zehn Landserbriefen vorlesen. Musiker Lemeland stützt sich auf eine 1950 erstmals veröffentlichte Briefsammlung, die aus Material entstanden ist, das die Propagandaabteilung der Wehrmacht im Auftrag des Propagandaministeriums der Nazis zusammengestellt und manipuliert hatte für ein Heldenbuch über die Schlacht von Stalingrad. Festredner Thierse will jedoch nur dann an der Veranstaltung teilnehmen, "wenn keine Nazi-Texte verlesen werden. Ungeschickt ist auch die Auswahl des eigentlich unverfänglichen Liedes "Ich hatt einen Kameraden für die Feierstunde. Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels hatte das Stück, dessen Text Ludwig Uhland 1809 geschrieben hat, am 3. Februar 1943 im Rundfunk spielen lassen vor der Sondermeldung, mit der die Nazis die Niederlage in Stalingrad einräumten.