RKI-Präsident Kurth fordert die Vorbereitung von Massenimpfungen für den Fall von Pockenanschlägen
Zum Schutz gegen einen möglichen Terrorangriff mit Pockenviren fordert der Präsident des Robert Koch-Instituts in Berlin (RKI), Reinhard Kurth, in der neuesten Ausgabe des SPIEGEL, ausgewählte deutsche Ärzte umgehend gegen Pocken zu impfen sowie Massenimpfungen gegen das Virus bundesweit vorzubereiten, um damit gegebenenfalls schnell auf einen Anschlag reagieren zu können. "Wir können nicht ausschließen, dass Pockenviren in den Händen von Leuten sind, die sie nicht haben sollten", sagte Kurth dem SPIEGEL. Falls irgendwo auf der Welt ein Pockenfall auftrete, müsse "innerhalb von Tagen" reagiert werden. Gegen das, was in der Öffentlichkeit nach einem Pockenausbruch passieren würde, seien die Reaktionen auf die Milzbrandanschläge Ende 2001 "Peanuts" gewesen. Zur Vorbereitung auf einen Pocken-Angriff haben Experten des RKI bereits ein Rahmenkonzept "Organisation von Pockenschutzimpfungen" erarbeitet, das eine in drei Phasen abgestufte Impfstrategie empfiehlt. Als sofort einzuleitende Phase 1 wird darin die Impfung des medizinischen Personals in fünf Kompetenzzentren für hochansteckende Erreger in Berlin, Leipzig, Frankfurt/Main, München und Hamburg sowie die logistische und organisatorische Vorbereitung einer Massenimpfung vorgeschlagen. Phase 2 des Pocken-Alarmplans tritt dann ein, wenn tatsächlich irgendwo auf der Welt ein Pockenfall auftritt. Dann empfehlen die Experten, das gesamte medizinische Personal sowie Mitarbeiter wichtiger Versorgungsbetriebe zu impfen. Für Phase 3 schließlich ist die Massenimpfung der gesamten Bevölkerung vorgesehen. Sie soll beginnen, sobald erstmals wieder ein Pockenfall in Deutschland auftritt. Über 80 Millionen Deutsche müssten dann den Plänen zu Folge in nur fünf Tagen gegen die Pocken geimpft werden. Dafür rechnen die RKI-Experten mit einem Bedarf an bundesweit 3287 Impfstätten, in denen pro Tag jeweils 5000 Personen immunisiert werden könnten.