Bertelsmann-Chef will Wachstum der kleinen Schritte - DER SPIEGEL
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Bertelsmann-Chef will Wachstum der kleinen Schritte

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Bertelsmann-Vorstandschef Gunter Thielen, 60, erteilt Großfusionen wie einst bei DaimlerChrysler und teuren Expansionsstrategien einstiger Manager-Stars wie Jean-Marie Messier von Vivendi eine Absage. In einem Interview mit dem Nachrichten- Magazin DER SPIEGEL sagte Thielen: "Bis in solchen Fällen was zusammenwächst, dauert es meist eine ganze Generation.“ Für Bertelsmann sei "Größe allein nicht wichtig. Lieber bin ich in einzelnen Sparten oder auch Nischen Spitzenreiter.“ Wenn man akquiriere, "dann sollte das nicht in großen Schritten geschehen, sondern in mehreren kleinen“. Zwar sähe er sein Unternehmen, mittlerweile nur noch die Nummer fünf unter den weltweiten Medienkonzernen, lieber wieder an der Spitze, "aber nicht für den Preis hoher Schulden“. In Zukunft will Thielen, der im vergangenen Sommer überraschend Thomas Middelhoff an der Bertelsmann-Spitze abgelöst hatte, auf eine Akquisitions- Strategie der kleinen Schritte setzen. Gegenüber dem SPIEGEL bestätigte er, dass zur Stärkung seiner eigenen Verlags-Tochter Random House zurzeit Gespräche mit dem Axel Springer Verlag stattfänden zu einer möglichen Übernahme von dessen Buchsparte Ullstein Heyne List. "Viele Manager“, so Thielen zum SPIEGEL, "machen den Fehler, ewig an den Schwachen herumzusanieren. Ich halte es aber für deutlich intelligenter, die Starken stärker zu machen.“ Bertelsmann werde "für 2002 ein recht ansprechendes Ergebnis vorlegen“ – trotz des Milliarden-Kaufs des Platten-Labels Zomba. "Manche Altlast tut weh“, sagte Thielen, "diese aus finanzieller Sicht sogar sehr.“ Für Thielen, der im Sommer seinen 60. Geburtstag feierte, durchbrach Bertelsmann die interne Regel der Altersgrenze. Mittlerweile werde darüber nachgedacht, "ob dieses strikte Reglement noch zeitgemäß ist“. Die Altersgrenze sei vor 40 Jahren von Konzern-Patriarch Reinhard Mohn eingeführt worden. "Aber heute ticken 60-Jährige ganz anders als damals.“