Deutsche Öko-Landwirte gegen Künasts Bio-Siegel / Angst vor Billig-Bio aus dem Ausland
Unter deutschen Öko-Landwirten formiert sich Widerstand gegen das von Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) eingeführte "Bio-Siegel" - ein nationales Gütezeichen, das für die Einhaltung der EU-Bio-Richtlinien garantiert. Mit einer Unterschriftenaktion will der Öko-Verband Naturland (1800 Betriebe) Künast auffordern, ihr Siegel an Standards deutscher Öko-Verbände auszurichten statt an den niedrigeren der EU. Die Landwirte fürchten eine Wettbewerbsverzerrung zu ihren Ungunsten durch Billig-Bio-Produkte: Öko-Weizen nach EU-Standard aus Ungarn etwa kostet ein Sechstel weniger als Naturland-Weizen. "Der Verbraucher erwartet bei Bio-Produkten zu Recht deren regionale Erzeugung", so Steffen Reese von Naturland Süd-Ost. Der Nitrofen-Skandal habe die Wichtigkeit geschlossener Erzeugerkreisläufe gezeigt - nach EU-Bio-Verordnung ist aber etwa der Zukauf von Standardfuttermitteln sowie der Einsatz konventioneller Gülle erlaubt. Dass ein Bio-Siegel über EU-Standard möglich wäre, zeigt Frankreich mit seinem Siegel "ab" (agriculture biologique).