US-Autorin Sontag: Amerika entfernt sich von Europa
Nach Ansicht der amerikanischen Schriftstellerin Susan Sontag wird die Kluft zwischen Europa und den USA größer: "Der Streit um den Irak-Krieg ist nur die Spitze des Eisbergs. In einem SPIEGEL-Gespräch erläutert Sontag, dass die Vereinigten Staaten sich immer weiter von der gemeinsamen Tradition mit der Alten Welt entfernten. Die Abgabe nationaler Souveränität an eine höhere Instanz, wie sie in Europa ganz üblich sein, halte Amerika für "buchstäblich undenkbar. Diese Haltung sei auch der Grund für den amerikanischen Unilateralismus: "Die Bush-Junta verhält sich überaus logisch, so Sontag, "warum sollte sie irgendeinen Vertrag unterzeichnen, wenn sie Gefahr läuft, dass sie eines Tages daran gehindert werden könnte, ihre Interessen zu verfolgen? Sontag warnt allerdings auch vor einer Verharmlosung des radikalen Islam: "Ich bin Mitglied einer Gruppe, die die Hälfte der Menschheit umfasst nämlich Frauen. In vielen Teilen der Welt werden Männer zum Protest gegen das mobilisiert, was sie als Ungerechtigkeit, politische Unfähigkeit und Korruption in ihren Ländern erachten und daraus entstehen Glaubenssoldaten in einem religiösen Krieg, der zuallererst an der Front gegen Frauen geführt wird. Die Kriegsgegnerin Sontag hatte im September 2001 Entrüstungsstürme und Morddrohungen bei ihren Landsleuten ausgelöst, als sie darauf hinwies, dass die Terroranschläge auf das World Trade Center auch mit der Wahrnehmung der amerikanischen Außenpolitik in der Welt zu tun haben könnten. In ihrer Haltung gegen den Irak-Krieg und die Politik der Regierung Bush gibt Sontag zu, "dass Saddam wirklich das Monster ist, für das man ihn hält. Eine Invasion des Irak bedeutete allerdings in den Folgen vermutlich "noch mehr Terrorismus, noch mehr Gewalt.