Modellrechnung: Radikalreform der Sozialversicherungkönnte bis zu eine Million neue Jobs schaffen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Modellrechnung Radikalreform der Sozialversicherungkönnte bis zu eine Million neue Jobs schaffen

Durch eine mutige Reform der Sozialversicherungen könnten die Lohnnebenkosten in Deutschland von jetzt 42 auf künftig 5,5 Prozent gesenkt werden – und zugleich bis zu eine Million neue Jobs entstehen. Dies geht aus einem Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das DIW rechnete im Auftrag des SPIEGEL ein Reformmodell durch, in dem die Sozialversicherungen nicht mehr über Beiträge, sondern über Steuern und lohnunabhängige Prämien finanziert werden. Der Faktor Arbeit würde durch dieses Konzept massiv entlastet und die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme zugleich auf eine wesentlich breitere Basis gestellt – denn auch Selbständige, Beamte und vor allem Vermögensbesitzer trügen dazu bei.

Anders als bei allen gängigen Niedriglohnmodellen würden vom drastischen Abbau der Lohnnebenkosten nicht nur die Jobs am unteren Ende der Einkommenskala begünstigt. Vielmehr profitierten auch Angestellte und Arbeiter mit mittleren und höheren Einkommen – während Kapitalbesitzer und Spitzenverdiener mehr bezahlen müssten als heute.

So würde die Rentenversicherung künftig, ebenso wie ein Teil der Arbeitslosenversicherung, komplett aus Steuermitteln finanziert. Die Krankenkassenbeiträge würden zum überwiegenden Teil durch gehaltsunabhängige Gesundheitsprämien für jeden Erwachsenen ersetzt. Die Summe der Sozialabgaben würde dadurch von rund 370 Milliarden auf rund 52 Milliarden Euro sinken. Im Gegenzug würde vor allem die Erbschaft-, Grund- und Mehrwertsteuer angehoben und zudem Steuerprivilegien gestrichen. Auf die Einkommensteuer wäre zudem, ähnlich dem Solidarzuschlag Ost, ein Aufschlag, eine "Sozialprämie", fällig. Der Spitzensteuersatz würde hierdurch im Jahr 2005 nicht bei 42, sondern bei 46 Prozent liegen.