Aznar warnt vor Beschädigung der Uno
Die spanische Regierung ist nicht gewillt, dem irakischen Diktator Saddam Hussein noch mehr Zeit zur Entwaffnung zu geben. "Es geht nicht um verlängerte Fristen, sondern um den ehrlichen Willen zur Entwaffnung, den er bislang nicht gezeigt hat, sagte Ministerpräsident José María Aznar in einem Interview mit dem Nachrichten- Magazin DER SPIEGEL. Nur indem die internationale Gemeinschaft geschlossen den "Druck auf den Irak erhöht, könne eine friedliche Lösung überhaupt noch Chancen haben. Aznar, der zusammen mit dem US-Präsidenten Bush und dem britischen Premier Blair eine zweite Resolution vor den Sicherheitsrat gebracht hat, warnte vor einer möglichen Beschädigung der Vereinten Nationen. "Wenn der Sicherheitsrat nicht mehr funktioniert, werden sich künftig Gruppen von Staaten zusammentun und ihre eigenen Interessen außerhalb dieses legalen Rahmens durchsetzen. Aznar verglich die gegenwärtige Kriegsablehnung in Europa mit der Zustimmung, die Chamberlains Appeasement-Politik gegenüber Hitler nach der Münchner Konferenz 1938 in London und Paris fand. Zwar äußerte der Ministerpräsident Verständnis für seine Kollegen Schröder und Chirac, die auf ihre Bürger hören. Dennoch teile er ihre Haltung zum Irak-Konflikt nicht: "Ich bin fest davon überzeugt, dass ich meinen P.ichten nicht ausweichen kann, sagte José María Aznar. Eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik sei zwar im Interesse aller Europäer. Doch die Europäische Union, so forderte der spanische Ministerpräsident, dürfe sich nicht "auf einer negativen Identität gründen, indem sich die EU in der Gegenposition zu den Vereinigten Staaten definiere. Seine stärkere transatlantische Orientierung, die enge Beziehung zu der britischen und amerikanischen Regierung, will José María Aznar nicht als Emanzipationsversuch von der deutsch-französischen Achse in der EU verstehen. Sein Land habe schließlich nie unter fremder Vormundschaft gestanden. "Spanien kann nicht am Rande der Geschichte stehen bleiben, sagte Aznar, er wolle durchsetzen, dass sein Land ernst genommen werde und mitbestimme.