DDR-Knast schon für bloße Respektlosigkeiten nach Stalins Tod / Neue Details aus Stasi-Dokumenten - DER SPIEGEL
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DDR-Knast schon für bloße Respektlosigkeiten nach Stalins Tod / Neue Details aus Stasi-Dokumenten

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Das SED-Regime hat auf Respektlosigkeiten nach dem Tod des sowjetischen Diktators Josef Stalin am 5. März 1953 mit drakonischen Strafen reagiert. Das geht aus nun erschlossenen Unterlagen der Birthler-Behörde hervor. SED-Chef Walter Ulbricht hatte angeordnet, den Tyrannen mit Trauer-Demonstrationen, Kranzniederlegungen und einer fünfminütigen Stehpause zu ehren. Wer sich über Stalins Ableben freute, verletzte nach DDR-Lesart die Verfassung. Ein Bauer bekam sechs Jahre Zuchthaus, weil er in einem Prenzlauer Café erklärte, er hoffe nun, sein kollektiviertes Land zurückzuerhalten. Eine Traktoristin erhielt vier Jahre Haft für den Satz "Gott sei Dank, dass der Hund tot ist“. Die Prognose, "jetzt wird alles drunter und drüber gehen, da Stalin krepiert ist“, brachte einen Lehrer für sechs Jahre hinter Gitter. Auch Trunkenheit stimmte die Genossen nicht milde. Ein Tischler hatte in der Gastwirtschaft "Zum frohen Jäger“ im thüringischen Flecken Mittelstille nach mindestens 8 Bier und 15 Schnäpsen erklärt, dass von der Sowjetunion nichts zu lernen sei, weil es dort keine Aborte gebe und die Menschen "über die Stange scheißen“. Das sei, fand das Bezirksgericht Suhl, "Verleumdung in gemeinster Weise“ – und schickte den Handwerker für fünf Jahre ins Zuchthaus.