Richtungsstreit bei Springer - DER SPIEGEL
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Richtungsstreit bei Springer

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Im Berliner Axel Springer Verlag tobt ein Richtungsstreit über die Haltung zum Irak-Krieg. In einem offenenBrief an Vorstand und Chefredakteure hatte der Betriebsrat die "einseitigeBerichterstattung" des Hauses kritisiert; die amerikanisch-britische Regierungslinie werde"kritiklos übernommen", es herrsche Populismus schlimmster Art. Konzernchef Mathias Döpfner weist diese Vorwürfe in einem Brief als "falsch und ungerecht" zurück, "Einseitigkeit" könne er in seinen Zeitungen "nicht erkennen". Auch die Chefredakteure von "Bild"und "Welt" wehren sich gegen denBetriebsrat: "Wir wissen nicht, welche Zeitungen Sie lesen", schreiben Kai Diekmann und Jan-Eric Peters unter Verweis auf US-kritische Berichte in ihren Blättern, "unsere Zeitungen jedenfalls können es nicht sein." Tatsächlich sind zum Beispiel in der"Bild"-Zeitung, neben ablehnenden Kommentaren, unter Titeln wie "Stunde derWahrheit" oder "Darum steht Angela Merkel treu zu Amerika" auch zustimmendeArtikel erschienen. "Welt"-Chef Peters erkannte in einem Kommentar "für die freie Welt und jeden Einzelnen von uns nur noch eine Wahl: An der Seite der USA gegen Saddam oder nicht? Mit den Amerikanern oder gegen sie? Die Entscheidung der ‚Welt' steht fest." Bei seinem Team entschuldigt hat sich dagegen Georg Gafron, der in seinem Berliner Boulevard-Blatt"B.Z." bereits "Saddam, verpiss dich" gefordert und seine eigenen Kollegen intern mit Mitgliedern der irakischen Baath-Partei verglichen hatte. "Offensichtlich sind die Gefühle Einzelner verletzt worden", hat der Springer-Mann selbstkritisch erkannt.