Saudis nehmen Deutsch-Polen wegen Terrorverdacht fest
Mit einer überraschenden Mitteilung hat das saudische Königshaus Berlin in Zugzwang gebracht. Anfang vergangener Woche teilten die Saudis mit, dass sie den unter Terrorverdacht stehenden Duisburger Christian Ganczarski festgenommen hätten. Der zum Islam konvertierte Deutsch-Pole gilt als Vertrauter Osama Bin Ladens und wird verdächtigt, in den Anschlag auf der tunesischen Ferieninsel Djerba verwickelt zu sein (SPIEGEL 39/2002). Bei dem Attentat im April 2002 starben 21 Menschen, darunter 14 Deutsche. Ganczarski war im November überraschend nach Saudi-Arabien ausgereist; dringende Bitten der deutschen Behörden, in Riad ermitteln zu dürfen, wurden nicht einmal beantwortet. Weil aber die deutsche Justiz zum Ärger der Bundesregierung bisher keinen Haftbefehl gegen Ganczarski erlassen hat und damit auch kein Auslieferungsantrag gestellt werden kann, fürchten Sicherheitsexperten jetzt, dass die Saudis den Islamisten laufen lassen. Komplett würde die Blamage, wenn die Saudis dem Drängen der Amerikaner nachgäben, ihnen Ganczarski zu übergeben. Die US-Behörden halten den Deutschen, der in Afghanistan zeitweilig mit Bin Laden in einem Wohnkomplex lebte, für einen hochrangigen Qaida-Mann.