Kohl intervenierte schon als Kanzler massiv für Kirch - DER SPIEGEL
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Kohl intervenierte schon als Kanzler massiv für Kirch

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Altkanzler Helmut Kohl (CDU) hat schon während seiner Amtszeit für seinen Freund, den späteren Medienpleitier Leo Kirch, unverblümte Lobby-Arbeit betrieben. Neu aufgetauchte Briefe Kohls belegen laut SPIEGEL, wie ungeniert sich der CDU-Politiker schon in den neunziger Jahren für Kirch stark machte. So setzte er in einem Schreiben vom 9. Oktober 1995 den damaligen Aufsichtsratschef der Deutschen Telekom,Rolf-Dieter Leister, massiv unter Druck. Im Vorfeld hatte Kirch vergebens versucht, den Bonner Konzern, dessen Eigentümer der Bund war, von seiner eigenen Decoder-Technik zu überzeugen. Die Telekom favorisierte damals das Konkurrenzmodell eines Konsortiums um den Medienkonzern Bertelsmann, dem die Telekom sich angeschlossen hatte. Er finde, schrieb Kohl an Leister, diesen Vorgang "absolut inakzeptabel und unerträglich“. Er erwarte jetzt "umgehend“ einen Bericht "über den Vergleich mit den beiden Decodern, wobei ich selbstverständlich davon ausgehe, dass dieser Vergleich in kompetenter und seriöser Weise hergestellt wurde“. Die Briefe zeigten Wirkung. Kirch konnte seine Technik als Erster auf den Markt bringen.

Später revanchierte sich Kirch und zahlte an Kohls Firma P&S von 1999 bis 2002 jährlich Beraterhonorare von 600000 Mark. Auch fünf weitere ehemalige Kabinettsmitglieder standen, wie der SPIEGEL enthüllte, auf der Payroll des Medienpleitiers.