Generäle wehren sich gegen Strucks Wehrdienstpläne
Auf massiven Widerstand führender Militärs stößt Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) mit seinen Überlegungen, den Wehrdienst von neun auf sechs Monate zu verkürzen. Mit so kurzer Dienstzeit seien Rekruten "nicht sinnvoll einsetzbar", heißt es in der Umgebung des Inspekteurs des Heeres, Gert Gudera. Wenn es nicht bei neun Monaten bleiben könne, solle Berlin die Wehrpflicht "lieber ganz abschaffen". Die Heeresleitung beruft sich auf ein Papier aus dem Stab von Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan. Demnach drohen eine "Verschärfung der Sinndiskussion um die Wehrpflicht" sowie Leistungseinbußen, Mehrkosten und neue Standortschließungen. Soldaten mit neunmonatiger Dienstzeit (Kürzel: W9), so das Papier vom 20. Mai, füllten etwa als Kraftfahrer oder Fernmelder mehrere Monate lang "unverzichtbare Funktionen" aus. Ein W6-Rekrut dagegen stehe nach der dreimonatigen Grundausbildung und durch Urlaubsansprüche bestenfalls fünf Wochen zur Verfügung. Die Arbeit müssten weitgehend länger dienende Freiwillige übernehmen, was die Personalkosten um etwa 260 Millionen Euro jährlich in die Höhe treibe. "Weitere Kosten" entstünden durch die "unvermeidliche Umgliederung" der Streitkräfte: Statt derzeit 53000 Rekruten-Posten könnten - bei gleich bleibendem Aufkommen an wehrfähigen Männern und verkürzter Dienstzeit - nur noch 40000 besetzt werden. Struck erklärte vorige Woche, dass er trotz Widerstands der Grünen an der Wehrpflicht festhalte und bis Jahresende "Dauer und Ausgestaltung" festlegen wolle.