Lufthansa-Chef will Tarifverträge ändern - DER SPIEGEL
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Lufthansa-Chef will Tarifverträge ändern

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mit einem alten Tabu will der neue Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber brechen, um den krisengeplagten Konzern fit zu machen für den Wettbewerb mit Billig-Carriern wie Ryanair oder Easyjet. Die Tarifverträge für das Bord- und Bodenpersonal, die Vergütungsstrukturen, Dienst- und Ruhezeiten oder freiwillige Leistungen penibel regeln, sollen geändert werden, um so die Kosten weiter zu drücken. Mit den Verhandlungen hat der gebürtige Österreicher kürzlich seinen Personalchef Stefan Lauer betraut. Der Jurist hatte sich selbst Hoffnungen auf die Nachfolge des damaligen Konzernchefs Jürgen Weber gemacht und soll den hoffnungslos zerstrittenen Arbeitnehmervertretern im Auftrag Mayrhubers nun Zugeständnisse abringen. Auf heftigen Widerstand dürfte Lauer vor allem bei den Piloten stoßen. Die Gewerkschaft der Flugzeugführer, die Vereinigung Cockpit (VC), hatte für ihre Klientel vor zwei Jahren nach mehrtägigen Streiks zwar üppige Gehaltserhöhungen ausgehandelt. Tatsächlich hielt sich der Zuwachs für die Piloten aber in Grenzen, weil ein Teil an die Gewinne gekoppelt ist - und die sind deutlich geschrumpft. Außerdem stehen viele Lufthansa-Maschinen noch immer am Boden, so dass kaum Überstundenzuschläge anfielen. Sollte der Vorstand versuchen, den offiziell unkündbaren Konzerntarifvertrag zu kippen oder zu unterlaufen, der Abweichungen von den Arbeitsbedingungen im Cockpit nur bei Maschinen mit weniger als 70 Sitzen zulässt, will ein Teil der Piloten erneut den Aufstand proben. Die Gelegenheit dazu könnte sich schon bald bieten. Zum April 2004 laufen die Vergütungsverträge für die Flugzeugführer aus. Dann dürfen die Cockpit-Angehörigen ganz legal streiken.