Bundeswehr warnt vor Risiken einer erweiterten Afghanistan-Mission
Die Bundeswehrführung warnt vor der Ausweitung der deutschen Militärpräsenz in entlegene Gebiete Afghanistans. Nach einem Bericht des Nachrichten-Magazins DERSPIEGELrät der Drei-Sterne-General Friedrich Riechmann von den Standorten Herat und Ghazni ab. "Rest-Taliban und Rest-al-Qaida, Organisierte Kriminalität, Drogenbarone sowie einige Warlords stellen eine täglich präsente Bedrohung dar", heißt es in einem vertraulichen Bericht des Generals, der im Juni eine Fact Finding Mission der Bundesregierung in Afghanistan leitete.
Vor einer Stationierung der Bundeswehr in Herat warnen die Militärs, weil der lokale Gouverneur Ismail Khan die Militärpräsenz "als Herausforderung" ansehen könnte. Im Konfliktfall brächte der 600 Kilometer große "Spreizschritt" von Kabul nach Herat darüber hinaus einen "hohen Zeitbedarf für die militärische Notfallunterstützung" mit sich, die die USAden Deutschen zugesichert haben. So bräuchten US-Kräfte drei Stunden, um die Bundeswehr aus Herat zu evakuieren. Die Untersuchung Ghaznis wurde wegen der Sicherheitslage gar "nicht vertieft", dort könnten die Deutschen nach dem Bericht zum "vorrangigen terroristischen Anschlagsziel" werden.
Von den geprüften Standorten hält Riechmann, Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, einzig die Stadt Charikar, 50 Kilometer nördlich von Kabul, für geeignet. Der Einsatz einer gemischten Truppe aus deutschem Militär und Entwicklungshelfern dort könne die "Sicherheitslage Kabuls deutlich verbessern", heißt es seinem Bericht. Die Mission in Charikar wäre "wegen der relativ kurzen Fahrtzeit" eventuell auch von Kabul aus zu erledigen.
Trotz der Warnungen wird in der Bundesregierung über eine Weiterentwicklung des bisherigen Konzepts der "Regionalen Wiederaufbauteams" ("Provincial Reconstruction Teams", PRT)nachgedacht. Das Kanzleramt erwägt nach Informationen des SPIEGEL, bis zu 350 Soldaten - davon rund 200 deutsche - als Bestandteil einer PRT-Truppe in die Provinz zu entsenden, um auch dort Sicherungs- und Patrouillenaufgaben zu erfüllen. Dazu werden womöglich auch andere Standorte als die bisher geprüften untersucht. Bis September will die Bundesregierung klären, wie die Bundeswehr über Kabul hinaus präsent sein soll.