Saban plant Pflichtangebot für ProSiebenSat.1-Aktionäre
Im Poker um die ehemaligen Kirch-Kanäle ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 steht eine entscheidende Woche bevor: Bis Dienstag, rechtzeitig zur nächsten Sitzung des Gläubigerausschusses der insolventen KirchMedia, wird ein neues Angebot von Haim Saban für die Stimmrechtsmehrheit an der ProSiebenSat.1 Media AG erwartet - an der Kirch-Filmbibliothek ist er offenbar nicht mehr interessiert. Saban, der für die Verhandlungen in der vorigen Woche einen Bootsurlaub im Mittelmeer unterbrach, hat zusammen mit seinen Finanzpartnern inzwischen offenbar all jene Fragen geklärt, die seinen ersten Anlauf zum Erwerb der Sender im Juni zum Scheitern gebracht hatten: Danach steht diesmal nicht nur die Finanzierung für die Übernahme der Mehrheit an der ProSiebenSat.1 AG, die Saban und seine Partner etwa 700 Millionen Euro kosten dürfte; auch eine von dem Unternehmen ausgegebene Hochzinsanleihe über 200 Millionen Euro, welche die Zeichner bei einem Mehrheitswechsel unter bestimmten Bedingungen zurückgeben können, sei jetzt abgesichert, heißt es in Verhandlungskreisen. Gleiches gelte für die geplante Kapitalerhöhung (300 Millionen Euro). Ferner plant Saban bei seinem neuerlichen Anlauf ein Pflichtangebot an die freien Aktionäre ein, das er beim ersten Versuch noch mit dem Argument vermeiden wollte, bei der ProSiebenSat.1 handele es sich um einen "Sanierungsfall". Freie Aktionäre hatten seinen Ausnahmeantrag bei der Finanzaufsichtsbehörde BaFin damals scharf kritisiert. Sollte der Gläubigerausschuss ein neues Angebot Sabans ablehnen, werde man "auf keinen Fall sofort in ein neues Bieterverfahren starten", sondern wie geplant "Plan B ohne Investor" weiterfahren, heißt es in München.