Bundesministerien streiten über Aufgaben der deutschen Soldaten in Afghanistan - DER SPIEGEL
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Bundesministerien streiten über Aufgaben der deutschen Soldaten in Afghanistan

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Bundesregierung ist weiterhin uneins, welche Aufgaben das deutsche Militär bei dem geplanten Einsatz in der afghanischen Region Kunduz übernehmen soll. Das Auswärtige Amt wünscht, dass die bis zu 450 Soldaten vor den für nächstes Jahr geplanten Wahlen bei der "politischen Einflussnahme" auf Dorfälteste mitwirken, um so dem regierenden Präsidenten Hamid Karzai zu einer weiteren Amtszeit zu verhelfen. Das Verteidigungsministerium möchte dagegen seine Soldaten vorwiegend zum Schutz ziviler Aufbauhelfer und Abgesandter anderer Ministerien einsetzen. Die Bundeswehrführung will auch eigene Spezialisten für zivil-militärische Zusammenarbeit mitnehmen, die - wie schon in Kabul - Schulen und Polizeistationen errichten könnten. Dies wiederum lehnt das Entwicklungshilfeministerium ab. Das Ressort von Heidemarie Wieczorek-Zeul fordert die "Federführung" für die Aufbauarbeit für sich und pocht auf die "konsequente Trennung von militärischem Beitrag und Wiederaufbau". Unklar ist auch noch, wie die Soldaten mit Drogenbaronen und Schmugglern umgehen sollen. Die Bundeswehr will nicht in den Ruch kommen, sie sichere den Rauschgifthandel ab, und fordert deshalb eine "nationale Position" zum Drogenproblem. Besondere Sorgen bereitet den Militärs der Provinzgouverneur Abdul Latif Ibrahimi, der Bauern Land mit der Auflage verpachtet, den Heroin-Rohstoff Schlafmohn anzubauen. Aus den Erlösen finanziert Latif seine Privatarmee, die für die Bundeswehr zum Sicherheitsrisiko werden könnte.