Interview mit IAEA-Botschafter Salehi Iran droht mit Aufkündigung des Atomwaffensperrvertrags
Berlin - "So lassen wir nicht mit uns umspringen", erklärte Teherans Vertreter bei der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien (IAEA), Ali Akbar Salehi.
Die Forderung, das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag bis Ende Oktober zu unterzeichnen, hält Salehi für kontraproduktiv. "Wir lassen uns auch aus Europa nichts aufzwingen", kommentierte Salehi das auch von der Bundesregierung unterstützte Ultimatum. Teheran setze allerdings darauf, den Konflikt "schnell und friedlich" zu lösen, "damit nicht das Schlimmste passiert", so Salehi weiter im Interview mit dem SPIEGEL.
Sollte der Streit mit der IAEA jedoch eskalieren, könnte sein Land "die Zusammenarbeit ganz einstellen" und "vielleicht den Atomwaffensperrvertrag aufkündigen". Widerstand aus konservativen Kreisen in Teheran hält Irans Atom-Botschafter für überwindbar. "Wir arbeiten daran", so Salehi zum SPIEGEL, "alle Kräfte davon zu überzeugen, dass die Ratifizierung des Zusatzprotokolls der richtige Weg ist - allerdings nicht um jeden Preis."
Lange andauernder Streit
Der Streit mit dem Iran um die Unterzeichnung eines Zusatzprotokolls hält seit Monaten an. Die IAEA will dadurch die Kontrollmöglichkeiten verbessern. Wiederholt ist dem Iran von Seiten der USA unterstellt worden, an einem geheimen Atomwaffenprogramm zu arbeiten. Teheran hingegen behauptet, lediglich an der zivilen Nutzung der Atomenergie interessiert zu sein.
Iran hatte bereits am Freitag die IAEO ein politisches Werkzeug der USA genannt. Die Wiener Behörde habe gezeigt, dass sie nicht länger eine unparteiische internationale Organisation, sondern ein Werkzeug der USA geworden sei, hieß es im staatlichen iranischen Fernsehen IRIB.
Die IAEO hatte am selben Tag ultimativ von Iran detaillierten Aufschluss über sein Atomprogramm gefordert. Der iranische Delegierte bei der IAEO nannte das Ultimatum illegal und von den Statuten nicht gedeckt.