Springer attackiert Holtzbrinck
Der Krimi um den Berliner Zeitungsmarkt geht weiter: Die Axel Springer AG will den von Stefan von Holtzbrinck vergangene Woche angekündigten Verkauf des "Tagesspiegels" an seinen Ex-Manager Pierre Gerckens nicht akzeptieren. "Wenn es Holtzbrinck überlassen bleibt, an wen der 'Tagesspiegel' verkauft wird", heißt es in einem Vermerk der Springer-Kanzlei Hogan & Hartson Raue, könne es "kein ordnungsgemäßes Fusionskontrollverfahren geben". Die Kartellbehörde solle stattdessen einen unabhängigen "Veräußerungstreuhänder" ernennen, der das Blatt verkaufen soll. Nur so könne "der Strohmann-Verdacht gegen Herrn Gerckens" ausgeschlossen werden, so der Vermerk. Probleme drohen Holtzbrinck, der die "Berliner Zeitung" weiterführen will, auch aus einem anderen Grund: Während in Berlin bislang drei starke Großverlage konkurrierten, würden in Zukunft zwei Konzerne (Springer und Holtzbrinck) und ein Mittelständler (Gerckens)um Marktanteile kämpfen. Für den Springer-nahen Kartellrechtler Franz Jürgen Säcker ist dies eine "Verschlechterung der Wettbewerbsbedingungen" und damit ein Verstoß gegen § 19 Abs. 3 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen. Pierre Gerckens wehrt sich unterdessen gegen einen Bericht der Springer-Zeitung "Berliner Morgenpost" ("Die Strohmann-Lösung"): Diese habe sich "ungeprüft" eine "bösartige Unterstellung zu eigen gemacht, wonach mein Handeln fremdbestimmt sei", schreibt er in einem Brief an den "Morgenpost"-Herausgeber Dieter Stolte. Er fühle sich "persönlich diskreditiert".