Rosh wusste von Degussa-Deal - DER SPIEGEL
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Rosh wusste von Degussa-Deal

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenige Tage vor der Entscheidung über den möglichen Ausschluss der Firma Degussa vom Bau des Holocaust-Mahnmals in Berlin ist das Kuratorium der Stiftung tief zerstritten - vor allem über das Verhalten der Mahnmal-Initiatorin Lea Rosh. Die langjährige TV-Moderatorin hatte sich zur Anwältin derjenigen gemacht, die Degussa nicht als Lieferanten für den Graffiti-Schutz für die Stelen akzeptieren wollen, weil die frühere Degussa-Tochter Degesch einst zur Vernichtung der Juden Zyklon B an die Nazis geliefert hatte. Dabei war Rosh von der Stiftungsgeschäftsführerin Sibylle Quack bereits am 13. Oktober telefonisch informiert worden, dass die Vergangenheit vonDegussa zumThema werden könnte - und nicht erst bei der Kuratoriumssitzung zehn Tage später. Einwände habe Rosh damals nicht erhoben. Die sagt nun, der Zusammenhang zwischen Degussa und Degesch sei ihr nicht bewusst gewesen.Er sei ihr vonQuack auch nicht erläutert worden - obwohl er der Geschäftsführerin bekannt war. Aus einem Vermerk geht hervor, dass sowohl die Berliner Bauverwaltung als auch die Stiftungsgeschäftsstelle von der "historischen Rolle" der Firma bereits im Januar wusste. Quack erklärt ihr Verhalten damit, dass "alle führenden deutschen Konzerne in der Bauchemie eine unrühmliche NS-Vergangenheit haben". Unterdessen wappnen sich die Befürworter der Beteiligung von Degussa mit neuen Argumenten, in denen sie auf Geschäftsbeziehungen zwischen Degussa und Israel verweisen. Auch Ignatz Bubis, der verstorbene Chef des Zentralrats der Juden in Deutschland, habe mit Degussa Geschäfte gemacht. Tatsächlich beschreibt Bubis in seiner Autobiografie, wie er nach dem Krieg an Degussa Gold weitergeleitet hat: "Ich wickelte meine Aufträge in erster Linie über die Degussa Pforzheim bzw. Frankfurt ab."