Bundesregierung empört: Libanon lässt Hintermann zahlreicher Schiffsschleusungen trotz Geständnis wieder laufen
Die Bundesregierung ist empört über die Freilassung eines als Schleuserkönig geltenden Syrers, der in den vergangenen Jahren mit Aufsehen erregenden Schiffsschleusungen Tausende Kurden nach Südeuropa und dann weiter nach Deutschland gebracht haben soll. Der im April im Libanon auf Grund eines deutschen Haftbefehls Festgenommene wurde im Oktober ohne Begründung wieder auf freien Fuß gesetzt - und das obwohl er in der Haft ein umfangreiches Geständnis abgelegt hat. Darin räumte er ein, unter anderem die beiden bisher größten Schiffsschleusungen im Mittelmeer organisiert zu haben. Die Fälle der "East Sea", die 2001 mit 912 Flüchtlingen in Frankreich landete, und der "Monica", die 2002 mit 918 Passagieren Sizilien erreichte, hatten weltweit Schlagzeilen gemacht. Das Auswärtige Amt hat inzwischen bei der libanesischen Regierung offiziell gegen die Freilassung protestiert. "Mit großer Bestürzung", schrieb Bundesinnenminister Schily in einem Brief an seinen libanesischen Amtskollegen, habe er "zur Kenntnis nehmen müssen", dass der Drahtzieher der Großschleusungen "auf Grund der nicht nachvollziehbaren Entscheidung eines Militärrichters aus der Untersuchungshaft entlassen wurde". Schily fürchtet, dass der Mann schon bald ein weiteres Schiff auf die Reise schickt. Der Chef einer weit verzweigten Schlepperbande war im Frühjahr festgenommen worden, als er für eine Gruppe Kurden die Vorbereitungen für eine weitere Schleusung traf. Inzwischen haben die deutsche, französische und italienische Regierung auch die syrische Regierung um Hilfe bei der Fahndung gebeten.