Ziehen deutsche und französische Soldaten gemeinsam in den Irak?
Ein Kurswechsel der französischen Verteidigungspolitik bringt die Regierung in Berlin in Verlegenheit. Zur Überraschung der Deutschen will Paris den Stab des französisch-deutsch geführten Eurokorps für den Nato-Einsatz in Afghanistan bereitstellen. Bisher hatte Frankreich ein substanzielles Engagement am Hindukusch vermieden. Die Übernahme der Führungsrolle in Kabul würde für die Bundeswehr eine erneute Aufstockung ihres Kontingents von derzeit etwa 1900 Soldaten erfordern. Noch brisanter für Berlin ist jedoch die Information aus der Nato-Zentrale in Brüssel, dass sich französische Truppen in Brigadestärke - etwa 3000 Mann - auf einen Einsatz im Irak vorbereiten. Der Sinneswandel der Pariser Irak-Kriegs-Gegner, so vermuten Berliner Beamte, geht auf die jüngste Visite der Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie in Washington zurück. Dort wurde der Französin offenbar vermittelt, dass nur noch Truppen für den Irak als Friedensgeste gegenüber der Bush-Administration akzeptiert würden. Das spürt auch Berlin: "Der Druck ist enorm", stöhnt ein Kabinettsmitglied über die Aussicht, Soldaten in den Nahen Osten schicken zu müssen. Erster konkreter Test für Rot-Grün ist die Absicht der Nato, das Hauptquartier der schnellen Eingreiftruppe der Allianz (Kürzel: ARRC) aus Mönchengladbach in den Irak zu verlegen. In dem Stab sind 48 deutsche Offiziere tätig, über deren Entsendung der Bundestag entscheiden müsste - womöglich in einer Sondersitzung während der Sommerpause. Denn nach dem Zeitplan der Allianz würde der formale Beschluss, zumindest in Teilen des Irak die Kontrolle zu übernehmen, erst Ende Juni auf dem Nato-Gipfel in Istanbul getroffen. Vorgespräche werden aber bereits Ende kommender Woche bei einem informellen Treffen der Nato-Verteidigungsminister am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz beginnen.