Holtzbrinck rechnet mit Ablehnung des Kartellamts
Das Bundeskartellamt will Holtzbrinck die Übernahme der "Berliner Zeitung" endgültig verbieten - davon geht man auch in der Stuttgarter Konzernzentrale inzwischen fest aus. In einemSchriftsatz der Holtzbrinck-Anwälte an die Bonner Behörde vom 14. Januar, einen Tag nach der letzten Visite Stefan von Holtzbrincks bei den Kartellwächtern, heißt es: "Holtzbrinck hat den Eindruck, dass die Beschlussabteilung entschlossen ist, den Zusammenschluss zu untersagen." Unmittelbar nach der Kartellamtsentscheidung rechnen Verfahrensbeteiligte mit einer Holtzbrinck-Klage vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. Offenbar setzen die Stuttgarter nun ihre Hoffnungen vor allem auf die geplante Lockerung der Pressefusionskontrolle - im Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger zeichnet sich vor einer Präsidiumssitzung an diesem Dienstag eine Zustimmung zum Referentenentwurf des Wirtschaftsministeriums ab. Tritt die Gesetzesnovelle in Kraft, könnte Holtzbrinck in der Hauptstadt wie geplant die Verlage von "Berliner Zeitung" und "Tagesspiegel" zusammenführen. Das Kartellamtsverfahren wäre damit obsolet. Mit scharfen Worten kritisieren die siegesgewissen Stuttgarter abschließend das Verhalten der Behörde, die zuvor Abmachungen des Verlags mit dem Holtzbrinck-Vertrauten und "Tagesspiegel"-Käufer PierreGerckens moniert hatte:Die "Unterstellungen" über eine "freundschaftliche Verbindung" seien "unstatthaft". Aus "Patenschaften" und anderen persönlichen Umständen sei nicht auf eine "pauschale Zurechnung des 'Unternehmens' Gerckens zu Holtzbrinck zu schließen".