Das Wattenmeer war noch vor 2000 Jahren von Pelikanen, Flamingos und Grauwalen bevölkert
Noch vor 2000 Jahren besiedelten Krauskopfpelikane, Kraniche, Silberreiher und vielleicht sogar Rosaflamingos die Wattenmeerküste der Nordsee. Zu diesem Ergebnis kommen jetzt Meeresforscher des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, berichtet das Nachrichten-Magazin der SPIEGEL in seiner neuen Ausgabe. „Viele Menschen halten das Wattenmeer für eine Naturlandschaft“, sagt die Biologin Heike Lotze, die zusammen mit Archäologen, Historikern, Geologen und anderen Biologen aus Deutschland, Dänemark, den Niederlanden und Kanada die Geschichte des schlickigen Lebensraumes rekonstruiert. „Kaum jemand macht sich jedoch klar, dass der heutige Zustand nur entfernt an die Lebensvielfalt erinnert, die es hier früher einmal gab.“ Knochenfunde, historische Schriften und zeitgenössische Darstellungen haben die Forscher auf die Spur des einstigen Naturparadieses gebracht. Neben großen, exotischen Vögeln besiedelten demnach ehemals auch Auerochsen, Wölfe und Elche die sumpfigen Marschen in den Mündungsgebieten von Elbe, Weser, Ems und Rhein. Grauwale, Große Tümmler, Walrosse und zahlreiche Nagelrochen durchpflügten die Nordsee vor der Wattenküste. Mit der Rekonstruktion der einstigen Vielfalt, so hoffen die Forscher, könnte auch der Wattenschutz neue Impulse bekommen. „Wir wollen den Menschen zeigen, was im Wattenmeer einmal möglich war“, sagt Lotze. „Damit schaffen wir auch eine Vision für das, was wieder möglich sein könnte.“ Auch die Wiedereinbürgerung einzelner Arten wie etwa des Krauskopfpelikans sei denkbar.