Tietmeyer kritisiert nationale Erbhöfe bei der EZB
In den Streit um die Etablierung von nationalen Erbhöfen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) hat sich nun auch Ex-Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer eingemischt. Bei der Besetzung des EZB-Präsidiums sei „fachliche Kompetenz der Kandidaten wichtiger als die nationale Herkunft“, sagte der renommierte Geldpolitiker. Hintergrund: Die Bundesregierung hat mit Frankreich, Italien und Spanien verabredet, dass künftig Mitglieder dieser Staaten in dem sechsköpfigen Gremium durch Nachfolger aus den jeweiligen Ländern ersetzt werden. Dadurch haben die vier großen Staaten quasi Dauerplätze. Die Absprache sorgt für großen Unmut innerhalb der EU. Aber auch zwischen EZB und Bundesregierung gibt es deshalb Zoff: Die Notenbanker befürchten, die Berliner könnten an Stelle des 2006 aus dem Gremium scheidenden deutschen EZB-Chefvolkswirtes Otmar Issing einen „geldpolitischen Weichspüler“ in die Zentralbank entsenden – etwa um auf Kanzlergeheiß die Zinsen zu senken.