Hintertreiben die USA einen ständigen Sitz der Deutschen im UN-Sicherheitsrat? - DER SPIEGEL
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Hintertreiben die USA einen ständigen Sitz der Deutschen im UN-Sicherheitsrat?

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nur mäßige Erfolgsaussichten hat offenbar das deutsche Streben nach einem ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Außenminister Joschka Fischer betreibt hinter den Kulissen in der Uno zwar eifrig Lobby-Arbeit, aber vor allem Washington gilt bei erfahrenen Diplomaten derzeit als Gegner. Bundeskanzler Gerhard Schröder, der die Kandidatur vor zwei Wochen erstmals öffentlich angemeldet und vorigen Donnerstag im Bundestag bekräftigt hat, müsse in Amerika mit Widerstand rechnen. Washington wolle nicht am Vetorecht der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs rütteln lassen. Frankreich hingegen, seit der Uno-Gründung 1945 neben den USA, Großbritannien, Russland und China permanentes Ratsmitglied, unterstütze Schröder und habe angeboten, einstweilen einen deutschen Diplomaten in die französische Rats-Delegation aufzunehmen. London schließlich vertraue insgeheim auf den Widerstand der Bush-Administration. Uno-Generalsekretär Kofi Annan hatte im vergangenen Jahr ein Expertengremium beauftragt, Vorschläge zur Reform der Weltorganisation zu entwickeln. Die Fachleute werden wohl eine Erweiterung des Rats - derzeit fünf ständige und zehn wechselnde Mitglieder - anregen. Sie sollen ihr Papier aber erst nach den US-Präsidentenwahlen im November abliefern. Beim Telefonat mit Schröder in der vorigen Woche ging Präsident George W. Bush mit keinem Wort auf die Kandidatur ein.