Phantom-Abfangjäger in Alarmbereitschaft über Berlin / Minister Struck ahnungslos
Zum Schutz der Berliner Antisemitismus-Konferenz gegen Terrorangriffe hatte die Luftwaffe vergangene Woche bis zu acht Abfangjäger in der Nähe der Hauptstadt stationiert. Die mit Raketen bestückten Phantom-Jets wären binnen weniger Minuten aufgestiegen, um notfalls ein von Terroristen gekapertes Flugzeug abzuschießen. Die Alarmbereitschaft hatte der neue Luftwaffeninspekteur Klaus-Peter Stieglitz, seit Januar im Amt, nach entsprechenden Warnungen der Sicherheitsbehörden befohlen – in Absprache mit Innen- und Verkehrsministerium sowie dem Verteidigungsstaatssekretär Klaus-Günther Biederbick. Nicht eingeweiht war dagegen der Politiker, der im Ernstfall den Schießbefehl erteilen muss: Verteidigungsminister Peter Struck (SPD). Der Bundeswehrchef erfuhr Ende voriger Woche nur zufällig von den Eigenmächtigkeiten seines Apparats. Struck lässt jetzt untersuchen, warum weder der Luftwaffenchef noch der Staatssekretär es für nötig befanden, ihm von den Vorbereitungen für den heiklen Einsatz zu berichten. Zudem kam jetzt heraus: Ähnliche Alarmaktionen, die während der Berliner Afghanistan-Konferenz Ende März und der Münchner Sicherheitskonferenz Anfang Februar stattgefunden hatten, waren dem Minister ebenfalls verschwiegen worden. Struck hatte im vorigen Jahr wegen eines geistig verwirrten Hobbypiloten, der sich mit einem Motorsegler in ein Frankfurter Hochhaus zu stürzen drohte, sicherheitshalber Phantom-Jets starten lassen. Hätte er den Befehl erteilen müssen, den Irrflieger abzuschießen, so Struck damals, "wäre ich anschließend zurückgetreten".