Neue Vorwürfe gegen Zentralrat der Juden. Liberale kündigen Verfassungsklage an. Staatliche Finanzhilfen über 42 Millionen.
Im Streit um die Verteilung der staatlichen Finanzzuweisungen an jüdische Einrichtungen gerät der Zentralrat der Juden in Deutschland weiter unter Druck. Nach Informationen des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL bereitet die Union der progressiven Juden eine Verfassungsklage vor, um als eigenständige jüdische Gemeinschaft ebenfalls staatlich gefördert zu werden. Über einen Staatsvertrag mit dem Bundesinnenministerium fließen jährlich drei Millionen Euro direkt an den Zentralrat. Insgesamt erhalten die jüdischen Einrichtungen und insbesondere der Zentralrat im Haushaltsjahr 2004 von Bund, Ländern sowie über die so genannte Kultussteuer und den so genannten Synagogenfonds nach einer Aufstellung des SPIEGEL jährlich über 42 Millionen Euro Unterstützung. Von den liberalen Juden wird kritisiert, dass die offiziell mit über 100000 angegebene Mitgliederzahl in den Gemeinden des Zentralrats "nur auf dem Papier" bestehe, da auch religiös nicht aktive osteuropäische Kontingentflüchtlinge jüdischer Herkunft als steuerpflichtige Zwangsmitglieder mitgezählt werden. Nach der Zahl der Mitglieder würden sich nach dem Staatsvertrag ab 2007 die jährlichen Zuweisungen bestimmen. Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat nach Informationen des SPIEGEL wegen der missbräuchlichen Verwendung staatlicher Fördergelder an der jüdischen Hochschule gegen den Landesvorsitzenden der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Zentralrats-Direktoriumsmitglied, Michael Fürst, Anklage erhoben.