Condé-Nast-Verlagschef unter Stasi-Verdacht
Bernd Runge, 43, Herausgeber, Geschäftsführer und Vice President International des Condé-Nast-Verlags ("Vogue", "GQ", "Glamour") soll jahrelang als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR gearbeitet haben. Diesen Verdacht legen Akten nahe, die im Rahmen der Erschließung bislang ungesichteter MfS-Dossiers in der Berliner Birthler-Behörde gefunden wurden und über die das Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet. Dem Dossier zufolge war Runge, ehemals Korrespondent der DDR-Nachrichtenagentur ADN in Ungarn, 1981 "in Verbindung mit der Aufnahme eines Studiums in der UdSSR" kontaktiert "und im Juni 1984 als IM angeworben" worden. Nach Aktenlage setzte die zuständige "Hauptverwaltung Aufklärung" (HVA) den unter dem Decknamen "Olden" geführten IM "während seines Studiums überwiegend zur Personeneinschätzung" ein. 1988 wurde "Olden" laut SPIEGEL an die Hauptabteilung II (Abwehr) übergeben. Ein Stasi-Offizier notierte: "Der IM berichtete ohne Ansehen zur Person ... und berichtete ausführlich über den Verlauf des Übersiedlungsersuchens seiner Schwester und deren Kontakt zu einem BRD-Bürger." Darüber hinaus finden sich in den Akten "Olden"-Treffberichte, in denen die Stasi Informationen über westliche Journalisten und den Budapest-Besuch einer DDR-Oppositionellen protokollierte. Ebenfalls dokumentiert: Mehrere handschriftliche Quittungen des IMs, in denen er bestätigt, "von einem Mitarbeiter des MfS" Geld erhalten zu haben. Der notierte als Grund der Zahlungen: "Für gelieferte Informationen". Trotz schriftlicher und mündlicher Anfragen des SPIEGEL war von Runge bis Freitagabend keine Stellungnahme zu den Stasi-Verdachtsmomenten zu erhalten.