Sonderling schlug Bundeskanzler aus Verärgerung über Regierungspolitik
Grund für die schallende Ohrfeige, die der arbeitslose Gymnasiallehrer Jens Ammoser dem Kanzler während eines Empfangs für neue Parteimitglieder in Mannheim verpasste, ist offenbar Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik Gerhard Schröders. Ammoser, der aus Berlin stammt und heute in Geiersnest bei Freiburg lebt, wirft Bundeskanzler Schröder vor, Versprechen gebrochen zu haben. "Meine Tat ist unanständig, basta, aber nicht ungerecht." Der 52-Jährige hatte in Berlin Deutsch und Mathematik studiert, fand aber nie eine entsprechende Stelle. Stattdessen schlug er sich mit Jobs und Umschulungen durch. Seit 1995 ist er arbeitslos und beschäftigt sich vor allem mit Politik. Am 18. Februar wurde Ammoser Mitglied der SPD: "Ich wollte in die Partei, um gegen Schröder zu kandidieren, weil ich Schröder für den miesesten, erfolglosesten und ahnungslosesten Kanzler halte, den wir je hatten." Zu seinen Motiven befragt, sagte er: "Das ist die große historische Schuld von Gerhard Schröder, dass er mit Versprechungen ins Amt gekommen ist, aber sie nicht gehalten hat. Das ist eine ganz fürchterliche Geschichte, man setzt Hoffnungen in etwas, und sie werden nicht erfüllt. Wo das endet, sieht man zum Beispiel beim Sozialabbau." Ammoser gab an, er habe sein "Projekt SPD" ursprünglich gestartet, "um den Kanzler zu kippen, nicht um ihm eine zu scheuern". Das Kanzleramt erstattete Strafanzeige wegen Beleidigung und Körperverletzung. Dem zuständigen Amtsgericht Mannheim liegt bereits ein Antrag der Staatsanwalt auf ein beschleunigtes Verfahren vor. Dem Gymnasiallehrer droht dann bis zu einem Jahr Freiheitsentzug oder Geldstrafe. Zu seiner Zukunft befragt, sagte Ammoser: "Wenn der Rummel vorbei ist, wird sich meine Situation durch diese Aktion dramatisch verschlechtern. Die rollen jetzt über mich hinweg, und da hab ich keine Chance." Aber: "Das Politische steht im Vordergrund, da muss das Einzelschicksal zurückstehen."