Irakischer Regierungsrat fordert volle Souveränität
Die amerikanischen Soldaten im Irak dürften ab 1. Juli "nicht länger als Besatzungstruppen auftreten". Denn dann hat nach Ansicht von Regierungsrat-Mitglied Adnan Patschatschi die neue irakische Regierung als "völkerrechtlich verbindlicher Repräsentant der Republik Irak" auch die "volle Verantwortung für die Sicherheit und die Stationierung fremder Truppen" im Lande. Der Sunnit Patschatschi, Kandidat für eine der Spitzenpositionen in der geplanten Interimsregierung, erklärte in einem SPIEGEL-Interview: "Die neue irakische Regierung hat das Recht, den Abzug der ausländischen Kontingente zu verlangen, wann immer sie es für richtig hält. Das ist nicht nur Theorie." Die US-Soldaten würden Teil der "multinationalen Truppen", die von den Vereinten Nationen eingesetzt werden. Allerdings hält Patschatschi einen raschen Rückzug der US-Armee nicht für ratsam, "das würde jetzt die Probleme noch steigern. Die Amerikaner bieten schon einen gewissen Schutz". Wenn aber nach den Wahlen im nächsten Januar "eine demokratisch frei gewählte irakische Regierung das Ruder in die Hand nimmt, brauchen wir keine ausländischen Truppen mehr - auch keine Amerikaner".