Politiker fordern Ende des Auslandsfernsehens German TV
Gegen die Fortführung von German TV, das gemeinsame Auslandsfernsehen von ARD, ZDF und der Deutschen Welle, das seit April 2002 für 15 Dollar monatlich vor allem in den USA verbreitet wird, wächst der politische Widerstand. Für die Finanzierung des Kanals, der den rund eine Million deutschsprachigen US-Haushalten laut Eigenwerbung "das Beste des öffentlich-rechtlichen Fernsehens" liefern will, hatte der Bund bis einschließlich 2005 jährlich 5,1 Millionen Euro aus Steuermitteln als Anschubfinanzierung gewährt. Weil das nicht reicht, schießt derzeit die ebenfalls steuerfinanzierte Deutsche Welle jährlich noch rund eine Million zu. Trotzdem kommt German TV nicht voran.Ein interner Bericht von Kulturstaatsministerin Christina Weiss an Mitglieder des Haushaltsausschusses spricht für Ende April von nur "insgesamt 7669 Satellitenkunden". Auch die schleppende Einspeisung in einige wenige Kabelnetze in Wisconsin oder Ohio brachte keinen Erfolg. "Die Entwicklung der Kabelabonnentenzahlen verläuft ... aus Sicht von German TV enttäuschend", heißt es in dem Papier. Verständlich: Ende April waren es 837. Erst ab 70000 Abonnenten, so sieht es der auf sieben Jahre angelegte Geschäftsplan vor, wäre die Gewinnschwelle erreicht. "Für mich geht es nur noch um die Eleganz der Beerdigung", sagt CDU-Haushaltsausschuss-Mitglied Steffen Kampeter, der Einzelheiten aus dem Weiss-Papier nicht kommentieren will. "Sofort dichtmachen", fordert Werner Hoyer, Fraktions-Vize der FDP im Bundestag. "Das Geld sollte man lieber in das normale Programm der Deutschen Welle stecken." Niemand kann indes sagen, das Desaster komme überraschend: Der Bundesrechnungshof hatte die Überseeambitionen der Sender schon vor dem Start als "nicht schlüssig" kritisiert und vor "erheblichen Haushaltsrisiken" gewarnt. Für German-TV-Chef Wolfgang Krüger kommt die Kritik zur Unzeit: Am vorigen Montag hatte Time Warner endlich den Weg auf dem Prestige-Markt New York frei gemacht, zuvor hatte Kanada dem Kanal eine Sendelizenz erteilt. "Ich hoffe, dass die Politik auf Grund dieser Ereignisse den Stecker nicht zu früh zieht und uns noch eine Chance gibt", so Krüger.