ARD-Programmdirektor Günter Struve will Nebentätigkeiten generell verbieten
Nach dem Verzicht des ARD-Sportkoordinators und Radsport-Spezialisten Hagen Boßdorf auf seine bisherige Nebentätigkeit für den Radsport-Sponsor T-Mobile will ARD-Programmdirektor Günter Struve derlei Nebenjobs künftig generell nicht mehr genehmigen. „Ich bin dafür, dass Nebentätigkeiten, die auch nur den Anschein erwecken, dass es Überschneidungen mit der journalistischen Arbeit geben könnte, generell nicht mehr genehmigt werden – und dafür werde ich in der ARD auch werben“, sagt Struve im SPIEGEL-Interview. Er habe „da dazugelernt“. In seiner ARD-Programmdirektion werde er „künftig jede Zweideutigkeit vermeiden, sehr rigide vorgehen und keine Nebentätigkeiten mit auf Erwerb ausgerichteten Unternehmen mehr genehmigen“, so Struve. „Das gilt nicht nur für den Sport, sondern für alle Journalisten.“ Eine ARD-weite Vorgabe sei „nicht zu machen“, weil Sache der einzelnen Landesrundfunkanstalten. Anfang September werde er das Thema aber mit den Programmdirektoren diskutieren. Auch das umstrittene Sponsoring des T-Mobile-Radteams durch die ARD stehe auf dem Prüfstand. „Auch darüber denken wir nach“, so Struve.
Im Fall des von ihm einstweilen suspendierten Sportreporters Waldemar Hartmann sprach Struve davon, es seien durch dessen öffentliche Äußerungen „viele Entzündungen“ entstanden. Er gehe aber nicht davon aus, dass Hartmann von sich aus den Sender wechsele und werde innerhalb von zehn Tagen ein klärendes Gespräch mit dem Reporter suchen. „Ich werde versuchen, die Entzündungen zu heilen.“ Einen scharfen Rüffel erteilte Struve dem Sender Radio Bremen für dessen Rolle beim Sendechaos zum Bundesliga-Start. Es sei dort „alles schief gegangen, was schief gehen kann. Es ist so peinlich“, so Struve. Ein „klarer Regelverstoß“ sei es gewesen, dass der Sender nicht, wie bei Außenübertragungen vorgeschrieben, ein Ersatzstudio und einen Ersatzmoderator bereitgehalten habe. Zudem sei der Schriftgenerator defekt gewesen, und es habe kein ausreichendes Ersatzprogramm zur Verfügung gestanden. Auch zu der ebenfalls von Radio Bremen produzierten und am Vorabend des Liga-Starts mit schwachen Quoten gelaufenen Olympia-Gala „Athen 2004“, die an dem Pannenabend kurzzeitig erneut eingespielt wurde, äußerte sich Struve dezidiert: „Das war eine der erfolglosesten Sendungen in der Geschichte der ARD, und ich halte nichts von der Sende-Devise: ‚Bis es euch gefällt.‘“