Bayreuther Streit geht weiter: „Parsifal“-Sänger Endrik Wottrich erneuert im SPIEGEL seine Kritik an Regisseur Schlingensief - DER SPIEGEL
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Bayreuther Streit geht weiter: „Parsifal“-Sänger Endrik Wottrich erneuert im SPIEGEL seine Kritik an Regisseur Schlingensief

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Der Sänger Endrik Wottrich, 39, derzeit bei den Bayreuther Wagner-Festspielen Titelheld in Christoph Schlingensiefs „Parsifal“-Inszenierung, schimpft erneut heftig auf seinen Regisseur. Der sei, sagt Wottrich im SPIEGEL, „durchaus kreativ“ und begabt, könne sich aber „nicht zehn Minuten hintereinander konzentrieren“. Weiter klagt der Sangeskünstler: Was Schlingensief „zum Stück daherfaselte, zeigt, dass er nichts Wesentliches durchdrungen hat, schon gar nicht Wagners Werk“. Einen „Rassisten“, einen „Nazi“ und einen „Hampelmann“ hatte Wottrich seinen Regisseur bereits zuvor genannt. Nun bemüht sich der Sänger, den Streit zwischen ihm und dem Regisseur mit frischem Zunder zu befeuern. Dabei zielt Wottrich ehrgeizig aufs große Ganze des modernen Regietheaters: „In Deutschland ersetzt Quatschen inzwischen den Inhalt“, klagt er. Schlingensief müsse ihm dankbar sein; „Hätte er nicht mich gehabt, jeder andere Sänger wäre ausgestiegen“, so Wottrich. Er aber habe durchgehalten und – anders als etliche Kritiker es hörten – „sängerisch hervorragende Qualität abgeliefert. Das geht nur, weil ich in den Proben dafür gesorgt habe, dass meine Rolle unbeschädigt bleibt“. „Schlingensief orientiert sich grundsätzlich nur an Filmen“, behauptet Wottrich. Er selbst wolle keine konservative Regie, „vor allem keine langweilige“. Dann poltert er: „Machen wir uns klar, wir leben in einer Zeit, in der kreativ verhältnismäßig wenig passiert. Wir orientieren uns nur noch am Durchschnitt. Elite ist ein Schimpfwort, Leute, die denken, bekommen keine Plattform. Wir bereiten auf, wir kombinieren alte Elemente, aber neue Impulse fehlen. Was ich erlebe, nicht nur in diesem Fall, hat etwas von Leichenfledderei.

Dem Regisseur fällt nichts mehr ein, also setzt er hemmungslos Vorgefundenes zusammen.“ Auf die Frage, ob er fürchte, mit seinen Tiraden auch andere Regisseure gegen sich aufzubringen, antwortet Wotttrich: „Um mich geht es herzlich wenig, ich bin dann immerhin ein Strohfeuer gewesen.“ Und: „Ich weiß, dass ich mir in Deutschland geschadet habe.“ Aber er sei fest entschlossen, seine Meinung zu sagen, „auch wenn ich dabei meine Karriere in Deutschland riskiere“. Er konstatiere „nicht eine Verschlechterung der Oper, sondern ihr Ende“. Er sehe es als seine Lebensaufgabe an, „dafür zu sorgen, dass die Oper als Kunstform noch ein bisschen hält“. Der Regisseur Christoph Schlingensief mag Wottrichs Äußerungen nicht kommentieren. Sein Anwalt, der Berliner Kunstbetriebsprofi Peter Raue, sagt: „Ähnliche Angriffe eines Künstlers gegen einen anderen hat es im Nachkriegsdeutschland nicht gegeben. Es ist enttäuschend, dass Wolfgang Wagner die Entgleisungen des Herrn Wottrich mit keinem einzigen Satz verurteilt.“