Rüstungsaffäre Beweisunterlagen im Fall Pfahls gezielt entwertet?
Hamburg - Pfahls, dem die Augsburger Staatsanwaltschaft Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung beim Verkauf von "Fuchs"-Panzern nach Saudi-Arabien vorwirft, war Mitte Juli nach fünfjähriger Flucht in Paris gefasst worden. Dabei wurden auch Unterlagen sichergestellt. Am 10. August hatte die französische Justiz diese Papiere verklebt und verschnürt per Post- Lkw nach Augsburg geschickt.
Drei Tage später wurden sie in mehreren Umschlagsmappen verstreut auf dem Sortierband des Postzentrums in Frankfurt entdeckt - der Inhalt war für jedermann einsehbar. Trotz intensiver Suche konnten an der Sortiermaschine und im Transportbehälter keine Reste der Verpackung gefunden werden. Ein Postsprecher hält es deshalb für "sehr, sehr unwahrscheinlich", dass der Umschlag der brisanten Sendung zufällig zerstört wurde.
Bei den Dokumenten, denen die Ermittler "erhebliche zusätzliche Beweisbedeutung" zusprechen, handelt es sich im Wesentlichen um ein 22-seitiges Manuskript, in dem Pfahls seine Position zu den Vorwürfen der Anklage niedergelegt hat. Daneben enthält die Sendung einige Blätter mit handschriftlichen Notizen. Ob die Unterlagen in Augsburg im Prozess gegen Pfahls eingeführt werden können, wird wohl das Oberlandesgericht München entscheiden.
Auch nach einer Besprechung am vergangenen Freitag in Augsburg vermochten sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung nicht zu einigen, ob die Dokumente Verteidigungsaufzeichnungen oder Beweisunterlagen sind.