Bundesregierung muss mit Tausenden Klagen früherer italienischer Zwangsarbeiter rechnen
Nach der Entscheidung des Berliner Verwaltungsgerichts vom Montag vergangener Woche, frühere italienische Kriegsgefangene in der Rüstungswirtschaft des „Dritten Reichs“ von Entschädigungen aus der Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ auszuschließen, muss die Bundesregierung mit Tausenden kostspieligen Klagen rechnen – in Italien. Seit einer Entscheidung des Kassationsgerichtshofs vom März dieses Jahres ist es Italienern möglich, in ihrer Heimat gegen die Bundesrepublik Deutschland zu klagen. Der erste Fall ist bereits vor dem Landgericht in der toskanischen Stadt Arezzo anhängig. Kläger ist der 78-jährige Luigi Ferrini, der im August 1944 ins Arbeitslager Kahla bei Jena verschleppt worden war. Dort war er in der Waffenproduktion eingesetzt. Die nächsten Fälle werden kommen: „Jeden Tag“, sagt der in Florenz ansässige deutsche Anwalt Ferrinis, Joachim Lau, „fragen 10 bis 20 Kollegen nach meiner Klageschrift.“ 90 000 italienische Ex-Zwangsarbeiter hatten erfolglos Anträge auf Entschädigung gestellt.