Lebenszeichen von Guantanamo-Häftling aus Bremen
Die Anwälte des seit knapp drei Jahren in Guantanamo Bay inhaftierten Türken Murat Kurnaz, 22, hoffen auf eine baldige Freilassung des gebürtigen Bremers. Vergangene Woche durfte der New Yorker Anwalt Baher Azmy erstmals seinen Mandanten besuchen. Kurnaz, der Anfang 2002 im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet aufgegriffen wurde und seitdem als angeblicher Islamist auf Kuba festgehalten wird, mache "sowohl körperlich als auch mental einen erstaunlich gesunden Eindruck", sagte Azmy dem SPIEGEL. Nach monatelangem Tauziehen mit den US-Behörden war es dem Juristen gelungen, vier Tage lang für jeweils fünf bis sechs Stunden mit seinem Mandanten zu sprechen. Der Anwalt zeigte sich erschüttert darüber, dass dem Gefangenen offenbar seit Jahren jegliche Information über die Außenwelt vorenthalten wurde, und verglich dessen Lage mit der eines "modernen Robinson Crusoe". So habe Kurnaz nicht einmal etwas über den Irak-Krieg gewusst. Was ihrem Mandanten überhaupt vorgeworfen wird, sollen die Anwälte zudem erstmals Anfang dieser Woche per Akteneinsicht erfahren. Da die Indizien gegen Kurnaz dünn scheinen, könnte eine Entlassung schon bald nach den US-Präsidentschaftswahlen Anfang November erfolgen.