Hat EU-Saubermann Martin EU-Gelder erschlichen?
Der selbst ernannte Saubermann des Europaparlaments, der fraktionslose österreichische Abgeordnete Hans-Peter Martin, ist selbst ins Visier der Betrugsermittler der EU geraten. Das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (Olaf) führt ein Ermittlungsverfahren gegen den Abgeordneten wegen des Verdachts finanzieller Unregelmäßigkeiten. Der ehemalige SPIEGEL-Redakteur Martin hatte sich seinen Wiedereinzug ins Parlament bei der Europawahl im Juni mit einer spektakulären Kampagne erkämpft: Auch unter Einsatz einer Knopflochkamera hielt er fest, wie sich Europa-Abgeordnete durch das Eintragen in Anwesenheitslisten Tagegelder gesichert hatten, ohne an den Sitzungen teilzunehmen. Nach Hinweisen aus der Parlamentsverwaltung prüft Olaf, ob Martin sich selbst EUGelder erschlichen haben könnte. Er soll einen Flug zwischen Brüssel und Kopenhagen beim Parlament abgerechnet haben, obwohl ihm die dänischen Gastgeber einer Konferenz das Ticket bezahlt hätten. Indizien: die Rechnung eines dänischen Reisebüros und ein Abrechnungsbeleg des Parlaments. Zudem soll er Tagegeld für eine Sitzung des Industrie-Ausschusses in Brüssel am 9. Oktober 2001 kassiert haben, an der er gar nicht teilgenommen habe, sowie Teile einer Sekretariatszulage zweckentfremdet haben. Martin bestreitet die Vorwürfe. Sie seien „lächerlich“ und „absolut absurd“.