Bundeswehrskandal weitet sich aus / "Geiselnahme" in Ahlen / Neue Vorwürfe gegen Coesfelder Ausbilder
Der Skandal um mutmaßliche Misshandlungen bei der Bundeswehr weitet sich aus. In einer Beschwerde an den Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestags, Willfried Penner, erhebt ein Reservist schwere Vorwürfe gegen Militärausbilder im westfälischen Ahlen. Diese hätten im Frühjahr 2002 eine "Geiselnahme durch albanische Freischärler" simuliert, bei der Soldaten mit verbundenen Augen auf eine verschlammte, teils gefrorene Wiese gebracht worden seien. Dort hätten sie auf der Erde liegend Verhöre und Beschimpfungen über sich ergehen lassen müssen. Auch in Coesfeld kommen neue Details über die Misshandlung von Rekruten ans Licht. Entgegen erster Angaben seien nicht zwei, sondern "mindestens vier" junge Soldaten bei fingierten "Geiselbefragungen" im Keller der Freiherr-vom-Stein-Kaserne mit Stromstößen gequält worden. Einem anderen Rekruten hätten Ausbilder nach Zeugenaussagen eine Zigarette im Nacken ausgedrückt. Ein weiterer erlitt als Folge der Gewalt eine Knochenhautentzündung am Bein. Zahlreiche Ausbilder seien während der Exzesse zudem alkoholisiert gewesen. Als mögliche Ursache der neuen Qualität von Misshandlungen von Untergebenen sehen Experten die Auslandseinsätze der Bundeswehr: Manche Soldaten kehrten als kleine Rambos in die Heimat zurück. Auf Anweisung von Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) soll nun geprüft werden, wie sich die "Erfahrungen mit Elend, Gewalt und Hilflosigkeit in Krisengebieten" auf die Soldaten auswirken.