Gottschalk für Rückbesinnung bei ARD und ZDF
ZDF-Entertainer Thomas Gottschalk hat sich im SPIEGEL-Gespräch für eine Rückbesinnung von ARD und ZDF auf ihre öffentlich-rechtlichen Kernfunktionen ausgesprochen. „Ich meine, dass sich ARD und ZDF auf ihre wirklichen Stärken konzentrieren müssen, statt das zu kopieren, was die Privaten ohnehin besser können“, so Gottschalk. Für die Zukunft hält er auch Einschränkungen der öffentlich-rechtlichen Sendervielfalt für wahrscheinlich. „Ob sich die beiden Großen auf alle Ewigkeit nebeneinander werden halten können mit all ihren Hörfunksendern und TV-Ablegern, bezweifle ich.“ Eine reine Gebührenfinanzierung von ARD und ZDF und den Verzicht auf Werbung sieht Gottschalk, dessen ZDF-Show „Wetten, dass...?“ im vergangenen Jahr wegen der massiven Sponsoren-Präsenz in Kritik geraten war, indes als problematisch an: „Das ist eben die Crux: Wenn ich ARD und ZDF staatsfinanziere und vom Quotendruck befreie, werden die zur faden Volkshochschule, während bei den anderen das Leben tobt“, so Gottschalk. „Ob ich bei einem Laden arbeiten möchte, wo die Politiker jederzeit den Geldhahn zudrehen können, wenn ihnen was nicht passt, wage ich zu bezweifeln.“ Im Übrigen wolle er sich aber lieber zurückhalten: „Wenn ich zur Gebührendebatte in Deutschland alles sagen würde, was mir einfällt, könnte ich gleich in L.A. bleiben.“ Zu seiner angeblich geplanten Kerner-Vertretung im kommenden Sommer sagte Gottschalk: „Im Sommer werde ich 55. Da entstand die Idee einer vierwöchigen Nacht- Show mit Gottschalk und 55 prominenten Gästen. Das hat mit Late Night gar nichts zu tun.“ Dieses Genre überlasse er „kampf- und neidlos dem Harald …“, dessen Geschäftssinn er ironisch kritisiert: „Er hat sich hochgepokert. Ich hätte ihm zur Rolle des edlen Spenders geraten, der es sich leisten kann, den Öffentlich-Rechtlichen Rabatte einzuräumen.“ Zum mangelnden Show-Nachwuchs im deutschen Fernsehen sagte der ZDF-Entertainer: „Ich bin nun mal Coca-Cola, Günther Jauch ist Pepsi. Den Red-Bull- Vertreter habe ich noch nicht entdeckt“, und auch die deutsche Prominentenriege bekommt ihr Fett ab: US-Talker wie Jay Leno hätten einfach „hilfreichere Gäste“, so Gottschalk. „Deutsche Stars sind gutwillig, aber sie können es nicht – die meisten wollen als Wetteinsatz einen Baum in Israel pflanzen.“