ZDF bringt Reality-Reihe mit Polit-Größen
Das ZDF hat nach mehreren Anläufen Politiker gefunden, die sich für ein neues Reality-Format namens "Drei Tage Leben" einem Alltagstest vor Kameras unterziehen. So hat etwa Jürgen Rüttgers, CDU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in NRW, laut ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender "für drei Tage die Rolle einer alleinerziehenden Lehrerin und Mutter von fünf Kindern" übernommen, Erdkunde unterrichtet und den Nachwuchs bekocht. Ute Vogt, SPD-Spitzenfrau in Baden-Württemberg, springt bei der "Berliner Tafel" ein und fährt Essen für Obdachlose aus. Die Grüne Antje Hermenau wirkt anstelle einer Unternehmerin, die eine Kinder-Casting-Agentur betreibt. Ursprünglich sollten Episoden mit Sigmar Gabriel (SPD) und Fritz Kuhn (Grüne) entstehen, doch Gabriel wurde krank, Kuhn sagte ab. Die FDP wollte sich nicht beteiligen, die PDS wurde vom ZDF nicht gefragt. Über den Sendetermin der drei Folgen à 30 Minuten, die die ZDF-Tochter Doc.station produziert hat, will das ZDF diesen Montag entscheiden. Den Vorwurf, Wahlkampfhilfe zu betreiben, finden Brender und ZDF-Innenpolitik-Chefin Bettina Schausten ungerechtfertigt. Zum einen, so Brender, werde man die Stücke weit vor der Wahl senden, zum anderen, so Schausten, habe man "den Politikern nicht den roten Teppich ausgerollt".