Skandal-Schiedsrichter nennt neue Details der Fußball-Affäre
Der korrupte Schiedsrichter Robert Hoyzer, der mit manipulierten Spielen den größten Fußballskandal seit 1971 ausgelöst hat, packt weiter aus. Der 25-Jährige, gegen den die Berliner Staatsanwaltschaft wegen Betrugs ermittelt, präzisierte am vorvergangenen Samstag im Kriminalgericht Moabit die Bestechungsvorwürfe gegen den DFB-Unparteiischen Dominik Marks, 29, die er in seiner ersten Vernehmung am 28. Januar erhoben hatte. Gegenüber den Ermittlern bekräftigte er, dass Marks für zwei von ihm manipulierte Spiele insgesamt 36000 Euro von den kroatischen Brüdern S. erhalten habe. Hoyzer persönlich habe Marks in dessen heimischer Küche in Berlin vor dem verschobenen Regionalligaspiel Hertha BSC Amateure gegen Arminia Bielefeld Amateure 6000 Euro übergeben. Außerdem, so Hoyzer, hätten er und Marks bei einem DFB-Lehrgang für Erst- und Zweitliga-Schiedsrichter Mitte Januar in einem Zimmer des Hotels Relexa in Frankfurt am Main in Anwesenheit des Bundesliga-Schiedsrichters Torsten Koop über ihre manipulierten Spiele gesprochen. Koop, der die nächtliche Debatte inzwischen gegenüber DFB-Ermittlern eingeräumt haben soll, sollte laut Hoyzer ebenfalls für Manipulationen angeworben werden -- allerdings erfolglos. Die Anwältin von Marks, Astrid Koch, mochte zu den Vorwürfen keine Stellungnahme abgeben. Zugleich bezichtigte Hoyzer einen Mittelfeldspieler des Regionalligisten Kickers Offenbach der Kooperation mit den Berliner Profi-Zockern. Der beschuldigte Fußballer habe im November 2004 mit Hoyzer und den Gebrüdern S. einen Saunaclub im Hessischen besucht und mehrfach Geld von den Kroaten erhalten. Erstmals berichtete Hoyzer den Ermittlern von einer Verbindung zwischen dem inhaftierten kroatischen Wettkönig Ante S. und dem Chemnitzer Spieler und Co-Trainer Steffen Karl. So soll Ante S. Hoyzer geschildert haben, dass er "zwei Leute bei Chemnitz" habe. Einer davon sei Steffen Karl. Einmal, so Hoyzer, habe sich der Chemnitzer Kapitän für seinen Urlaub Geld von Ante S. leihen wollen. Steffen Karl dementiert den Vorwurf. Sein Anwalt Andreas Bartholomé kündigte an, sein Mandant werde sich in Kürze umfassend gegenüber der Staatsanwaltschaft äußern. Besonders ausgeprägte Beziehungen soll Ante S. indes zum heutigen Zweitligisten Dynamo Dresden gepflegt haben. Der Kroate habe Hoyzer gegenüber diesen Club beim Gespräch über Spielmanipulationen als seinen "Stammverein" dargestellt. "Er produziert viel heiße Luft", kommentierte der Verteidiger des verdächtigen Kroaten Filip S., Robert Unger, die neuerlichen Beschuldigungen Hoyzers, "und wird darin nur von seinem Anwalt übertroffen." Bei einer Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Tiergarten sind für Montag Haftprüfungstermine für die drei inhaftierten kroatischen Brüder S. angesetzt. Unterdessen will die Staatsanwaltschaft Berlin sämtliche Honorare Hoyzers aus Medienauftritten pfänden.