Radikalkur Immendorff ließ sich fötale Zellen ins Hirn implantieren
Der Pekinger Neurochirurg Huang Hongyun praktiziert als erster Mediziner in der Welt dieses bei seinen internationalen Kollegen wegen ethischer und medizinischer Bedenken stark umstrittene Verfahren. Die olfaktorischen Hüllzellen scheinen den Selbstheilungsprozess von Nervenzellen aktivieren zu können. Die Neuronen nämlich zerstören sich bei ALS selbst und lähmen so sukzessive den Körper, bis am Ende auch der Atemmechanismus versagt. "Ich betrachte mich als Teilnehmer eines Experiments, und ich weiß um seine Gefahren", sagt Kunstprofessor Immendorff.
Der 59-Jährige glaubt nach dem Eingriff, Besserung zu verspüren: "Ich kann ein paar Finger an der rechten Hand wieder besser bewegen und die Hand wieder auf die Höhe des Kopfes heben." Auch sei seine "Balance besser", er habe ein "härteres Beingefühl".
Immendorff hat erst jetzt, nach vollendeter Operation, den ihn in Deutschland behandelnden Arzt Thomas Meyer von der Berliner Charité informiert - er wusste, dass der Neurologe ihm abgeraten hätte. Tatsächlich hält Meyer das Vorgehen des chinesischen Kollegen für "unseriös und unethisch". Aus wissenschaftlicher Sicht ist nämlich völlig unklar, was die Hüllzellen im Gehirn ALS-Kranker überhaupt bewirken können. Dass Immendorff Besserungen spürt, wundert den Berliner Arzt nicht: "Es ist bekannt, dass gerade bei Operationen starke Placebo-Effekte auftreten können", sagt Meyer.