US-Behörden verzögerten Benachrichtigung über illegalen Genmais
Vier Monate lang haben die US-Behörden Informationen über gentechnisch veränderten Mais zurückgehalten, der seit 2001 ohne Zulassung angebaut und in den Umlauf geraten war. Die EU-Kommission schätzt, dass auf diesem Weg auch 1000 Tonnen nach Europa gelangt sind. In einem Brief an den amerikanischen EU-Botschafter Rockwell Schnabel in Brüssel beklagt der zuständige EU-Generaldirektor Robert Madelin, die US-Regierung habe "seit Dezember 2004" davon gewusst, die EU aber erst Ende März informiert. Die Maissorte Bt10 ist weder in den USA noch in Europa zugelassen und enthält ein Gen zur Antibiotika-Resistenz. Um Kritikern der Gentechnik wegen des Skandals "keine Munition" zu geben, bittet Madelin die Amerikaner nun in ungewöhnlich höflicher Form um "gemeinsames Handeln" beim Krisenmanagement. Zugleich äußert der EU-Beamte jedoch Zweifel, ob die USA überhaupt zu "ausreichenden Kontrollen" in der Lage seien. Verbraucherschutzministerin Renate Künast fordert schärfere Prüfungen. "Es darf kein Mais mehr nach Europa kommen, der Bt10-Anteile enthält", verlangt die Grüne. In allen Importhäfen müss-ten die Kontrollen verschärft werden; zudem müsse ein "EU-Monitoring System" errichtet werden, um nach dem Verbleib des illegalen Getreides zu fahnden.