Poker um Neubesetzung der Aufsichtsratsspitze bei MAN
Der Münchner Mischkonzern MAN nutzt den Rückzug seiner Großaktionäre Allianz, Münchener Rück und Commerzbank geschickt, um ein weiteres drängendes Problem des Maschinenbau-, LKW- und Technologiemultis zu lösen: die Neubesetzung der Aufsichtsratsspitze. Weil nach dem Ausstieg der langjährigen Hauptanteilseigner gleich drei Topmanager aus dem Kontrollgremium ausscheiden, beschlossen auch die übrigen Aktionärsvertreter, ihre Mandate zur Hauptversammlung am 3. Juni vorzeitig niederzulegen. Branchenkenner hatten erwartet, dass zumindest der ehemalige Siemens-Vorstand Volker Jung, 65, als Aufsichtsratschef weiteramtieren würde. Nach Darstellung enger Vertrauter hätte er das prestigeträchtige Amt gern weiter ausgeübt. Doch der zuweilen ruppige Ingenieur, der bei Siemens bis 2003 als Chef der Kommunikationssparte wichtige Trends verpasst hatte, erfreute sich auch bei MAN keiner großen Beliebtheit. Intern sorgte vor allem für Unmut, dass Jung nach seinem Amtsantritt im Frühjahr 2002 einen Dienstwagen nebst Fahrer auf Firmenkosten forderte und Vorstände schon mal ungnädig abbürstete. Nach dem geschlossenen Rücktritt seiner Aufsichtsratskollegen geriet auch Jung unter Druck, seinen Posten vorzeitig zu räumen. Als Nachfolger ist nun unter anderem ThyssenKrupp- Chef Ekkehard Schulz im Gespräch.