Münchner Terrorermittlungen Platzen des Prozesses wäre vermeidbar gewesen
Hamburg - Weil die Münchner Richter nach Informationen des SPIEGEL von dem Vorgang im Nachbarland erst kurz vor Prozessbeginn detailliert erfuhren, vertagten sie ihr Verfahren gegen den 31-jährigen Mohammed, der Mitglied der islamistischen Terrorgruppe Ansar-e Islam sein soll, auf Ende Mai. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft hatte seit 2003 gegen den Angeklagten ermittelt und sein Telefon zwischen Juli und Oktober 2003 abgehört.
Erst kurz vor Prozessbeginn erhielten die Richter 16 Aktenordner mit 5000 Seiten Ermittlungsakten aus diesem Komplex. Rund 30 Seiten hat Stuttgart aber gesperrt, um eine konspirative Quelle zu schützen, die Ursprung ihrer Ermittlungen gegen Mohammed war. Der stand seinerzeit unter Verdacht, ein Attentat vorzubereiten. Der Vorwurf ließ sich nicht belegen.
Außer dem Münchner Oberlandesgericht wussten nahezu alle Beteiligten von diesen Ermittlungen. Polizisten beider Bundesländer tauschten informell ihre Erkenntnisse aus. Auch ein Vertreter der Anklage sowie das Bundeskriminalamt nahmen gelegentlich an den Treffen teil.