Durch Fehler bei der Bekämpfung der Fuchs-Tollwut in Hessen breitet sich die Seuche wieder aus
Experten warnen vor einer rasanten Ausbreitung der Tollwut am Rhein. Nachdem die Seuche bei Worms den Rhein übersprang und im seit sieben Jahren tollwutfreien Bundesland Rheinland-Pfalz inzwischen 22 Füchse infizierte, fürchten die Behörden nun einen neuen Seuchenzug des in Westeuropa schon fast ausgerotteten Virus. Bis auf Polen hatten sämtliche Nachbarländer Deutschlands die Tollwut mit Massen-Schluckimpfungen für Füchse besiegt. Nur in Hessen war ein winziger Seuchenherd verblieben. Von dort kommend ist die tödliche Virus-Erkrankung jetzt nicht nur nach Rheinland-Pfalz, sondern auch nach Baden-Württemberg übergesprungen. Insgesamt erkrankten bisher 33 Füchse, ein Pferd und ein Reh. Erschreckender noch als die Zahl der kranken Tiere aber ist die Geschwindigkeit, mit der die Seuche sich ausbreitet: Binnen zehn Tagen ist sie um 30 Kilometer westwärts gewandert; als normal gelten 20 bis 60 Kilometer im Jahr. Nicht nur das Saarland sei jetzt gefährdet, sondern "alle westeuropäischen Nachbarländer", sagte Florence Cliquet, Chefin des französischen Tollwutzentrums in Nancy, dem Nachrichten- Magazin DER SPIEGEL. Um ein Übergreifen auf Frankreich zu verhindern, haben die Franzosen im Grenzgebiet mit dem großflächigen Auswerfen von Impfködern begonnen. Peinliche Pannen, aber auch gravierende Fehler bei der Bekämpfung sind schuld an dem Versagen der Impf-Kampagnen in Hessen. So wurden einige Chargen des Impfstoffs nicht ordnungsgemäß gekühlt. Auch sei die Auslage der Impfstoff-Köder für die Füchse mitunter "schlicht vergessen worden", berichtete der deutsche Tollwut-Experte Thomas Müller dem SPIEGEL.