Bertelsmann sondiert Einstieg in den arabischen Medienmarkt
Sein Herz für die Medienmärkte aus 1001 Nacht hat Bertelsmann-Chef Gunter Thielen entdeckt: Gleich mehrfach steuerte sein Falcon-Firmenjet in den vergangenen Monaten die arabische Welt und vor allem Dubai an, wo der Konzernchef Kontakte zu fast allen lokalen Mediengewaltigen von Rang und Namen aufnahm - darunter Ahmed al-Baluschi, Chef des TV- und Radiokonzerns Emirates Media, und Scheich Salih Kamil, dem mit Arab Radio and Television (ART) einer der führenden arabischen TV-Konzerne gehört. Als Türöffner im Morgenland bedient sich Thielen eines Vertrauten, dem er freundschaftlich verbunden ist: Amadeo Rahmann, Chef der Beratungsfirma Mondia (Eigenwerbung: "Your link to the Middle East"), dessen Sohn schon Praktikant in der Gütersloher Zentrale war. Thielens Gesprächspartner bei ART und bei dem Sender MBC2, der dem saudischen Königshaus nahe steht, registrierten beim Bertelsmann-Chef ein starkes Interesse am Free-TV in Nahost - und die Bertelsmann-Fernsehsparte RTL Group verfügt über eine prallgefüllte Kasse. Seine Fernsehfachleute hat Thielen offenbar schon auf Kurs gebracht: RTL-Chef Gerhard Zeiler bestätigt, dass er Thielen demnächst Richtung Nahost begleiten wird. In anderen Bertelsmann-Bereichen trägt des Vorstandschefs Vorliebe fürs Morgenland bereits Früchte: Erst an diesem Wochenende jetteten Manager aus Thielens alten Geschäftsbereich Arvato nach Dubai, um ein Druckereiprojekt vorzubereiten. Auch in der Gegenrichtung gab es schon regen Reisebetrieb: Erste Scheichdelegationen waren kürzlich zum Gegenbesuch bei RTL in Köln, Zeilers Stellvertreterin Anke Schäferkordt präsentierte ihnen den Sender. Thielen dankte persönlich in einer E-Mail bei Ahmed al-Baluschi für dessen Besuch, um sogleich die weitere Vorgehensweise festzuzurren: Für den Aufbau der Druckerei werde ein Consulting- Team zusammengestellt, und auch um einen gemeinsamen Magazinverlag und ein gemeinsames TV-"Venture" werde man sich kümmern, heißt es darin. Schließlich ließ Thielen keinen Zweifel daran, welchen Stellenwert man den potentiellen Partnern einräume: Natürlich, betonte der Bertelsmann-Chef, stehe er persönlich "für Sie zu jeder Zeit zur Verfügung", bevor er sich mit den "wärmsten persönlichen Grüßen" verabschiedete. Im eigenen Konzern stößt Thielens plötzlicher Morgenland- Enthusiasmus eher auf gemischte Gefühle: "Der Werbemarkt ist total unattraktiv, da ist kein Geld zu verdienen", erregt sich ein RTL-Manager. Ein anderes Vorstandsmitglied wird deutlicher: "Das nervt."