Unionsinterner Streit um missglückte Befragung von Außenminister Fischer
Nach der missglückten Befragung von Außenminister Joschka Fischer vor dem Visauntersuchungsausschuss am 25. April sucht die Union intern nach Schuldigen. Mehrere CDU-Parlamentarierinnen verwahrten sich gegen den Versuch, die beiden Abgeordneten Michaela Noll und Ute Granold verantwortlich zu machen, die Fischer zum Thema Zwangsprostitution befragten. "Es ist nicht in Ordnung, die Schuld bei den Frauen abzuladen", sagte die Kölner Bundestagsabgeordnete Ursula Heinen. "Ich finde, die beiden haben einen guten Job gemacht. Für Kritik gibt es keinen Grund", befand auch die hessische Abgeordnete Kristina Köhler. In der unionsinternen Manöverkritik nach der Vernehmung hieß es, Noll und Granold hätten sich von Fischer einschüchtern lassen und nicht entschieden genug nachgehakt. Als Konsequenz wurde vereinbart, dass künftig bei wichtigen Vernehmungen vor allem Unionsobmann Eckart von Klaeden und der Abgeordnete Reinhard Grindel die Zeugen in die Zange nehmen sollen. Die Enttäuschung über den Verlauf bei der Fischer-Befragung war auch deshalb groß, weil die CDU/CSU-Abgeordneten intensiv vorbereitet worden waren. So hatte die Fraktionsführung Rechtsanwälte engagiert, um die Akten zu sichten. Als Koordinator der Lesetruppe wurde der ehemalige Verfassungsschützer und frühere Berliner Innensenator Eckart Werthebach gewonnen.